Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Rottenberg 1879 – 1979
Die erste schriftliche Unterlage über das Feuerlöschwesen in Rottenberg ist eine vom damaligen Bürgermeister Geis unterzeichnete Meldung an das königliche Bezirksamt Alzenau. Eine Freiwillige Feuerwehr bestand damals in der Ortschaft noch nicht. An Gerätschaften waren zu diesem Zeitpunkt vorhanden: 1 Handspritze, 1 Feuerleiter, 38 Feuereimer, 12 Pechfackeln, 50 Pechkränze, 2 Pechpfannen und 1 Feuerhaken. Die Pechfackeln und Pechkränze dienten zur Beleuchtung des Weges bei einem Brand. Die Feuereimer gingen von Hand zu Hand zwischen dem Brunnen, der für Feuerlöschzwecke genutzt werden konnte und der Brandstelle. Das war die primitive Art des Feuerschutzes, wie er seinerzeit ganz allgemein fast überall noch bestand.
Von Rottenberg wird bei dieser Gelegenheit noch gemeldet, dass kein fließendes Wasser vorhanden war und auch keine Wasserleitung, die aber „projektiert“ werden sollte. Die Gemeinde hatte keinen eigenen Brunnen. Es gab im Dorf etwa 20 private Brunnen in den Höfen der Anwesen, die aber nur wenig Wasser hatten.
In jenen Jahren wurde von der Regierung auf die Bildung von Freiwilligen Feuerwehren gedrängt. Das war einmal nahe liegend und fand zum anderen auch das größte Verständnis der Einwohnerschaft, denn wenn erst einmal eine Freiwillige Feuerwehr aufgestellt war, hatte sie recht bald auch zahlreiche und eifrige Mitglieder. Für die Gründung selbst konnten wir leider keine ausführlichen Unterlagen auffinden. Laut Überlieferung wurde die Freiwillige Feuerwehr Rottenberg am
1. November 1879 gegründet und am 1. Dezember 1880 dem Landesverband gemeldet. Unter ihrem 1. Kommandanten Albert Steigerwald hatten sich einige junge Männer bereiterklärt, in Zukunft den Feuerschutz der Gemeinde zu übernehmen. Als Zugführer fungierte Gregor Steigerwald. Der Spritzenmannschaft gehörten Bernhard Sauer, Georg Ludwig Bergmann, Valentin Rosenberger und Anselm Steigerwald an. Ignaz Wörner war als Sanitäter eingesetzt.
Sehr interessant ist dann ein Bericht des Kreisfeuerwehrausschuss-mitgliedes – Oberamtsrichter Bauernschubert, Schöllkrippen – der vom 15. Oktober 1884 datiert ist. Rottenberg zählte damals 428 Einwohner. Die Freiwillige Feuerwehr war 31 Mann stark, sie wird als „vorschriftsmäßig organisiert“ bezeichnet.
Die Uniformen bestanden aus grauen, baumwollenen „Kitteln“. Als Kopfbedeckung trugen die Feuerwehrmänner, so wird es in diesem Bericht gesagt, Kappen aus Wachstuch. Die Mannschaft war gut im Exerzieren und in der Handhabung der Geräte. Eine Übung ging schnell und sicher vonstatten. Mit den Gerätschaften scheint es seinerzeit auch nicht schlecht bestellt gewesen zu sein. Bauernschubert führte eine Saug- und Druckspritze, eine kleine Handspritze sowie in gutem Zustand befindliche Schläuche an. Das Material wurde als kräftig bezeichnet, die Wasserförderung als gut. Die Gerätschaften waren damals - und noch lange danach - in einer Halle beim seinerzeit neu erbauten Schulhaus untergebracht. Die Wasserverhältnisse wurden mit „entsprechend“ bedacht. Durch die Ortschaft fließe ein kleines Bächlein und neben dem Weiher seien auch noch Brunnen zur Löschwasserentnahme vorhanden.
Im Jahre 1886 berichtete der Kreisfeuerwehrvertreter Schulz Aschaffenburg sehr befriedigend von der Freiwilligen Feuerwehr Rottenberg, die er als recht gut bezeichnet. Sie zählte 47 Mann. Im Jahre 1892 war sie sogar 61 Mann stark. In diesem Jahr hieß es, dass fast alle Männer von Rottenberg, einige mit über 60 Jahren ausgenommen, in der Freiwilligen Feuerwehr stehen.
Aus einem Versammlungsbericht geht hervor, dass man sich mit dem Gedanken trug, einen Schlauchtrockenturm zu errichten. Der damalige Kommandant Valentin Steigerwald trug die Angelegenheit vor und auch der anwesende Bürgermeister Leonhard Steigerwald war mit dem Vorschlag einverstanden. Johann Ostheimer, Schöllkrippen, der damalige Bezirksfeuerwehrvertreter fertigte einen Plan an, der auch genehmigt wurde. Leider war es der Gemeinde nicht möglich, die erforderlichen Mittel aufzubringen, und so kam der Bau des Schlauchtrockenturmes erst im Jahre 1911 zum Abschluss. Kommandantenstellvertreter war zu dieser Zeit Ignaz Jakob Steigerwald, Schriftführer Lehrer Ulrich.
Der gute Geist der Feuerwehr konnte auch durch die beiden Weltkriege nicht zerbrochen werden, obwohl sie Anlass genug gewesen wären, für immer auf den Dienst an der Gemeinschaft zu verzichten. Das wäre zumindest verständlich gewesen. Die Feuerwehrmänner sammelten sich immer wieder und bauten auf, wo es fehlte, übten freiwillig, unterzogen sich der zusätzlichen Löschgruppenausbildung und opferten noch mehr der ohnehin so kostbaren Freizeit.
Bis Mitte des 2. Weltkrieges führte der langjährige Kommandant Bernhard Lippert die Wehr, danach verwaltete Franz Bergmann das Amt des Kommandanten. 1948 übernahm Willi Seibel das Ruder. Der Aufbau und die Ausbildung wurden vorbildlich durchgeführt. Er verstand es, die Jugend für die Wehr zu gewinnen. Unter seiner Regie wurde das 75-jährige Bestehen festlich begangen. Sein Erbe übernahm im Jahre 1953 Edgar Rosenberger. Er war es, der immer wieder auf ein neues Gerätehaus pochte, das im Rahmen des Umbaues der früheren Kraftfahrzeughalle entstand. Nach 11 arbeitsreichen Dienstjahren übergab er am 11.1.1964 sein Amt an Ernst Steigerwald als seinen Nachfolger ab. Ihm ging es in erster Linie um die Löschgruppen-ausbildung. Drei Gruppen erwarben das bronzene Leistungsabzeichen. 1966 stellte Ernst Steigerwald sein Amt zu Verfügung. Sein Nachfolger wurde Theo Lippert. Unter seiner Amtsführung wurde das erste Feuerwehrauto der Gemeinde Rottenberg angeschafft, ein Mercedes LF 8 – Auto. Blickte auch der Rost schon an einigen Stellen des gebrauchten Fahrzeuges durch den Lack, so war es dennoch als große Errungenschaft zu bezeichnen, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Die Zeiten des Geräteanhängers waren nun endgültig vorbei. Nach einer Amtszeit von 2 Jahren übergab Theo Lippert das Amt des Kommandanten an Heinz Steigerwald.
In einer Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr vernahm man die Kunde, dass im gemeindlichen Haushaltsplan die Beschaffung eines neuen Löschfahrzeuges eingeplant sei. Das alte Fahrzeug sollte nicht mehr so recht seine Aufgabe erfüllen. So wurde im Jahre 1975 ein neues Löschfahrzeug LF 8 mit schwerem Atemschutz und Funkausrüstung beschafft. Nach 10- jähriger Amtszeit als Kommandant legte Heinz Steigerwald im Jahre 1978 sein Amt nieder. Nachfolger wurde Armin Hornung, der 10 Jahre als 1. Kassier in der Feuerwehr tätig war. Im 1. Jahr seiner Kommandantentätigkeit wurden 2 Löschgruppen zum Leistungsabzeichen der Stufe 1 geführt. Im Hinblick auf das 100-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Rottenberg, das vom 29. Juni - 2. Juli 1979 feierlich begangen wird, sind eine stattliche Anzahl von Dienstjacken, Dienstmützen sowie Krawatten mit Feuerwehrzeichen beschafft worden. Im Jubiläumsjahr besteht die Freiwillige Feuerwehr aus 55 aktiven Feuerwehrmännern. Eine erfreuliche Tatsache ist, dass 30 junge Wehrmänner sich für den Dienst am Nächsten verpflichtet haben und ein Zugang von 7 Jugendlichen zu verzeichnen ist.